Die Burschenschaften
Infolge der Befreiung Europas vom napoleonischen Joch gründeten Studenten 1815 in Jena die erste Burschenschaft
(die sogenannte „Urburschenschaft“).
Beim Wartburgfest im Jahr 1817 wurden die burschenschaftlichen, teilweise von den Ideen der französischen Revolution beseelten Forderungen erstmalig den Fürsten und der Bevölkerung kundgetan:

- Abschaffung der Kleinstaaterei und einheitliche, demokratische Verfassung für ganz Deutschland
- Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz
- Einführung von Schwurgerichten mit unabhängigen Richtern
- Schutz von persönlicher Freiheit und Eigentum
- Abschaffung von Geburtsvorrechten und Leibeigenschaft
- Soziale Absicherung für Minderprivilegierte
- Religionsfreiheit, Rede- und Pressefreiheit, sowie Lern- und Lehrfreiheit an Universitäten und Schulen
Schnell wurden diese neuen, revolutionären Ideen populär. Sie verbreiteten sich an allen Universitäten im gesamten deutschen Raum, aber auch an den Schulen und bei einem großen Teil der Bevölkerung. Im ganzen Land entstanden Burschenschaften, sowie erste Verbindungen an den Schulen.
Die Fürsten, die sich nach dem Sieg über Napoleon gerade wieder feudal in ihren Staaten und Ländereien einrichten und die alte, absolutistische Ordnung wiederherstellen wollten, traten den aus ihrer Sicht aufwieglerischen Ideen mit aller Härte entgegen. Auf Betreiben des österreichischen Staatskanzlers Metternich wurden 1819 die Karlsbader Beschlüsse gefasst und die Burschenschaften verboten.

Die freiheitlichen Ideen und die Burschenschaften waren damit aber keineswegs tot. Ganz im Gegenteil, der Geist der Freiheit erfasste die gesamte Bevölkerung und erfasste auch benachbarte europäische Länder (insbes. Polen – damals von Russland beherrscht – und Italien – damals noch in Teilstaaten, meist von ausländischen Fürstenhäusern regiert, zersplittert). 1848 kam es in ganz Europa zu Revolutionen – in Wien geführt von den Studenten der „Akademischen Legion“, die sich mit den unzufriedenen Bürgern, Arbeitern und Handwerkern, sowie den unterdrückten Bauern solidarisierten.
Wenngleich der gemeinsame Kampf blutig niedergeschlagen und die meisten Reformen wieder außer Kraft gesetzt wurden, konnten der Bevölkerung die ihr zustehenden Rechte nicht auf Dauer vorenthalten werden. Schritt für Schritt wurden politische Parteien zugelassen, eine Verfassung etabliert und die Bildung von Burschenschaften an Universitäten gestattet. Nur Mittelschulverbindungen (Pennalien) – darunter die 1866 gegründete Quercus – waren weiterhin nicht erlaubt (bis zum Ende der Monarchie 1918) und mussten im Untergrund agieren.
Viele Burschenschafter waren an der Gründung politischer Parteien beteiligt oder nahmen führende Positionen in Parteien ein (z. B. Viktor Adler in der sozialdemokratischen Partei). An der Republiksgründung 1918 und dem Aufbau Österreichs nach dem 1. Weltkrieg waren ebenfalls Burschenschafter führend beteiligt (z. B. Franz Dinghofer als 3. Präsident des Nationalrats).
Begünstigt durch die schlechte wirtschaftliche und soziale Lage nach dem Kriegsende 1918, die besonders in Deutschland, Österreich und Ungarn als ungerecht empfundenen Pariser „Friedensdiktate“ der Siegermächte, aber auch durch die Unzufriedenheit über "ungenügende" Gebietsgewinne in manchen Siegerstaaten (Italien), kam es bereits ab Beginn der 1920er-Jahre zu einer politischen Radikalisierung. In vielen Ländern wurden in der Zwischenkriegszeit die demokratische Ordnung beseitigt und Diktaturen errichtet – u. a. 1933 in Deutschland die NS-Diktatur und 1934 in Österreich der austrofaschistische Ständestaat.
