Die Burschenschaften
Infolge der Befreiung Europas vom napoleonischen Joch gründeten Studenten 1815 in Jena die erste Burschenschaft
(die sogenannte „Urburschenschaft“).
Beim Wartburgfest im Jahr 1817 wurden die burschenschaftlichen, teilweise von den Ideen der französischen Revolution beseelten Forderungen erstmalig den Fürsten und der Bevölkerung kundgetan:

- Abschaffung der Kleinstaaterei und einheitliche, demokratische Verfassung für ganz Deutschland
- Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz
- Einführung von Schwurgerichten mit unabhängigen Richtern
- Schutz von persönlicher Freiheit und Eigentum
- Abschaffung von Geburtsvorrechten und Leibeigenschaft
- Soziale Absicherung für Minderprivilegierte
- Religionsfreiheit, Rede- und Pressefreiheit, sowie Lern- und Lehrfreiheit an Universitäten und Schulen


Neben „gegnerischen“ politischen Parteien und anderen für Freiheit und Demokratie eintretenden Institutionen wurden auch die Burschenschaften (sowohl die akademischen als auch die pennalen) wieder verboten und verfolgt. Der heute – meist von linker Seite – gebetsmühlenartig wiederholte Vorwurf, dass Burschenschaften die Nazi-Ideologie maßgeblich unterstützt und an der Judenvernichtung und anderen NS-Gräueln beteiligt waren, ist somit falsch. Ganz generell widersprachen ja diktatorische Strukturen auch dem freiheitsliebenden, demokratischen Selbstverständnis der Burschenschaften.
Allerdings muss zugestanden werden, dass sich auch einzelne Burschenschafter – so wie viele Personen aus verschiedenen politischen Lagern – auf die „dunkle Seite“ ziehen ließen. Demgegenüber waren einige Burschenschafter aber auch im Widerstand gegen Hitler beteiligt.

