Couleurlexikon

 

Alter Herr: Ab etwa 1860 neben Philister gebräuchliche Bezeichnung für die Altmitglieder einer Verbindung. Mit diesem Ausdruck soll der spießbürgerlichen Nebenbedeutung von Philister die Würde des Alters entgegengesetzt werden.

Band: Die Frage nach dem Vorbild des „Ur-Bandes“ als studentischer Couleur ist ungeklärt. Denkbar ist eine Anlehnung an die trikoloren Schärpen der Französischen Revolution. Sicher ist dies jedoch nicht. Schon im 18. Jahrhundert trugen Mitglieder studentischer Orden ihre Ordenskreuze an ein- oder zweifärbigen Bändern um den Hals. Nach anderer Ansicht ist das Band ein symbolisches Überbleibsel für das in Landesfarben gehaltene Waffengehänge oder der ab Anfang des 18. Jahrhunderts in Mode gekommenen Uhrenbänder. Beide wurden in der Regel von der rechten Schulter nach links abfallend getragen.

Sie enthielten fast immer die zumeist zweifarbigen Landesfarben oder Farben, die diesen heraldisch entsprechen. Dabei verzichtete man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig auf eine zusätzliche, dritte Farbe. Die heute getragenen Burschenbänder zeigen je nach Bund zwei oder drei Farben. Ist das Burschenband zweifarbig, zeigt das Fuxenband in der Regel drei Farben, unterscheidet sich vom Burschenband in der Perkussion (z. B. S! Gothia zu Graz), oder durch Umkehrung der Farben (U. S! Ghibellinen). Ist aber das Burschenband dreifarbig, zeigt das Fuxenband nur zwei Farben. Dabei wird regelmäßig die Farbe des Burschenbandes ausgespart, die nach heraldischer Deutung Eigenschaften und Fähigkeiten symbolisiert, die sich ein junger Bundesbruder erst durch akademisches Studium und Bundesleben erwerben soll. Ein häufig vorkommendes Beispiel dafür ist das Gold, das wie seine heraldischen Entsprechungen Orange und Gelb, für Verstand, Ansehen, Tugend etc. steht. Diese dritte Farbe wird dem jungen Bundesbruder erst verliehen, wenn er sich diese Eigenschaften erworben hat.

Wie der Zirkel symbolisiert das Band das Lebensbundprinzip, das alle Bundesbrüder umschließt. Anders als etwa die Mützen ließen Form und symbolische Bedeutung des Bandes kaum modische Extravaganzen zu. Heute unterscheiden sich Bänder, abgesehen natürlich von den Farben, nur in der Breite. Das gängige Format ist 28 mm breit. Vereinzelt sind 32 mm breite Bänder anzutreffen (sog. Leipziger Format, z. B. Fuxenfarben der S! Franconia-Hannover).

Die Bänder werden heute ausschließlich von oben rechts nach unten links getragen. Der Fuxmajor trägt das Fuxenband unter dem Burschenband von oben links nach unten rechts.

Bei Bünden, die einem anderen Bund durch Freundschaftsvertrag verbunden sind tragen Chargen bzw. der Sprecher der Aktivitas zusätzlich das Traditionsband. Sind beide Bünde fusioniert und gibt es kein einheitliches Band, tragen die Burschen beide Burschenbänder, die Füxe das Fuxenband des zuletzt aktiven Bundes.

Das Weinband ist halb so breit, das Sektband ein Viertel. Letztere sind nur in den Burschenfarben üblich.

Barett: (lat. birrus = kurzer Umhang mit Kapuze) Flache Schirmlose Kopfbedeckung, eine der ältesten Mützenformate; wird vom Sprecher zum Vollwichs getragen.

Bierdorf: Die Bierdörfer waren die kleinen Orte in der näheren Umgebung der Universitätsstadt, wo die Studenten ihre wenigen zeremoniellen, ungezwungenen Trinkgelage feierten. Später bürgerte sich daneben auch die Bezeichnung Exkneipe ein. Heute kennen wir das Bierdorf nur mehr als letzten Teil einer Kneipe. Es ist die zweite Fidulität, die sich an das Inofficium anschließt. Das Fröhlichsein ist das prägende Element. Entsprechend weniger ernst wird jetzt der Komment genommen. Selbst ein Fux kann das Präsidium innehaben. Oft wird das Präsidium auch Bürgermeister genannt.

Bierjunge: Mit diesem Wort wird seit jeher zu einer Biermensur gefordert. Nach diesem Schlüsselbegriff heißt auch die Biermensur bei manchen Bünden Bierjunge. Der Begriff ist die Parallele zu dem als grobe Beleidigung gemeinten „Dummen Jungen“ (Indem man jemanden als „Dummen Jungen“ hinstellte, wollte man – wenigstens bis in die Anfänge dieses Jahrhunderts hinein – die Forderung zu einer Schlägermensur pro­vozieren. Eingedenk eines gewandelten Ehrverständnis ist das Titulieren als Bierjunge heutzutage häufig nicht mehr als Beleidigung gemeint. Die provozierende Absicht ist gleichwohl geblieben).

Bierlaus: Auch Bierfloh genannt. Kleines meist in Email gehaltenes Abzeichen in den Farben der Verbindung, welches am Reverseinschnitt des Sakkos getragen wird.

Bierminute: Scherzhafte Form studentischer Zeitrechnung. Fünf Bierminuten entsprechen drei normalen Zeitminuten.

Biernagel: Ziernägel auf Liederbucheinbänden, damit der Einband nicht auf dem möglicherweise nassen Kneiptisch aufliegt und Schaden nimmt.

Biername: Auch Couleurname oder Kneipname. Interner Name eines Verbindungsmitgliedes. Diente ursprünglich zum Zwecke der Geheimhaltung des eigentlichen Namens. Heute nur noch bei einigen Bünden aus traditionellen Gründen aufrechterhalten. Aufnahme des Biernamens erfolgt durch die Biertaufe der Brandfuxen.

Bierorgel: Klavier

Bierverschiß: Verweis eines Kneipmitgliedes durch das Präsidium von der gemeinsamen Kneiptafel. Kann nur durch ein anderes Mitglied aus dem „Verschiß“ wieder herausgepaukt werden. Näheres siehe Biercomment.

Blume: Im studentischen Bereich die Bezeichnung für den Bierschaum. „Jeman­dem die Blume bringen“ bedeutet ein volles Glas Bier auf jemandes Wohl trinken. Ist das Glas nicht mehr voll so wird es als leicht, halb oder stark verrostete Blume bezeichnet.

Branderung: Rangerhöhung des krassen Fuxen (erstes Semester) im zweiten Fuxensemester nach Absolvierung einer Branderprüfung. Bei manchen Bünden ist damit auch das Tragen des Fuxenbandes verbunden, da deren krasse Fuxen nur die Mütze tragen dürfen. Die S! Hohensalzburg pflegt den Status des Brandfuxen nicht. Näheres siehe unter „Fux“.

Branderprüfung: Vorprüfung zur Burschenprüfung, die meist vom Fuxmajor abgenommen wird.

Buchsen: (= Hosen, ursprünglich aus Bocksleder, daher der Name) aus weißem Stoff werden zur Vollwichs getragen. Sie sollen knapp anliegen.

Bummel:-bummeln = hin- und herschwanken, schlendern, nichts tun; Zu bestimmter Zeit und an bestimmten Orten (oft nahe der Universität) regelmäßig üblicher gemeinsamer Spaziergang der Studenten in Couleur, wobei strenge Regeln für die Sammelplätze der einzelnen Verbindungen und deren Reihenfolge bestanden.

Bummler: Studentischer Spazierstock mit einem Knauf statt des Griffes. Auf dem Porzellan-, Elfenbein- oder Silberknauf befanden sich oft das Verbindungswappen, Farben , Zirkel, eine Widmung o. ä.

Bursche/Burschenschaft: Der Begriff Bursche ist entstanden aus dem mittelhochdeutschen Burse. Der Begriff Burse vollzog in der Geschichte einen Bedeutungswandel. Stand er zunächst für die aus Beiträgen der Studierenden unterhaltene Geldbörse, aus der eine Studentengemeinschaft lebte, bezeichnete er später die Gemeinschaft selbst. So wurden auch die Wohnstätten (heute würden wir sie als Studentenheime bezeichnen) der damaligen Studenten als Bursen bezeichnet. Allmählich wurde aus der Burse im Südwesten Deutschlands die Bursch, und weil die Burschenmitglieder männlich waren, entwickelte sich zuletzt der maskuline Singular der Bursch für jeden Bewohner einer Burse. In diesem Sinne verstand man unter dem Begriff Burschenschaft bis in das 19. Jahrhundert hinein die ganze Studentenschaft. Die Jenaer Burschenschaft begriff den für sich in Anspruch genommenen Namen als Programm. Man wollte national gesinnter Gegenpol zu den Landsmannschaften sein. Erst als bürgerliche Kreise die Bezeichnung Bursch in ihre Sprache übernahmen (z.B. Handwerks- oder Bauernbursch), setzte sich der Begriff Student gegen den des Burschen durch.

Cerevis: Cerevisia ist das vulgärlateinische Wort des gallischen Kulturraums für Bier. Cerevisia soll sich von dem Namen der römischen Göttin Ceres, der Göttin des Ackerbaus, ableiten, in deren Zuständigkeitsbereich naturgemäß auch der Gedeih der Braugerste fiel. Ein Cerevis ist also ein Bierhut. Charakteristisch für das Cerevis ist das Fehlen eines Schirms, die umlaufenden Bundesfarben im Randteil und der Bundeszirkel auf dem Deckel. In seiner steifen Form heißt es Paradecerevis und wird von den Chargierten zum Vollwichs getragen. Wegen seiner Form heißt das aus weichem Tuch gefertigte Cerevis auch Tönnchen oder Biertonne. Ist es im Randteil oder auch auf dem Deckel mit Wein (bei Corpsstudenten) – oder Eichenlaub (bei Sängerschaften, Burschenschaften,..) bestickt, heißt es Straßencerevis oder Schmucktönnchen. Tönnchen und Straßencerevis sind Hinterkopfcouleur. Sie können anstelle einer Mütze bei Veranstaltungen getragen werden, die nicht hochoffiziell sind. Da ein Schirm zum Abnehmen des Tönnchens fehlt, wird durch Anlegen der rechten Hand an das Tönnchen und eine leichte Verbeugung gegrüßt. Näheres siehe im Kapitel Farbenbrauch.

Cartell: (lat. cartula = kleines Schreiben, Zettel) Im studentischen Bereich zunächst die schriftliche Aufforderung zum Zweikampf, daneben wurden aber auch die Abmachungen zwischen den Landsmannschaften an derselben Universität so bezeichnet, daraus entstand die Bedeutung eines festen Vertragsverhältnisses zwischen verschiedenen Korporationen.

Chargierter: Ein mit der Ausübung eines Amtes betrautes Verbindungsmitglied. Dabei tritt er häufig in Vollwichs auf.

Charge: (franz. Last, Gewicht) Ursprünglich „Bürde eines Amtes“ seit dem Dreißigjährigen Krieg militärischer Dienstgrad in der Verbindung. Sprecher, Senior, Erstchargierter; die Chiffre x entstand bei den studentischen Orden des 18. Jahrhunderts, vielleicht von senex (lat. Greis, Ältester) oder das Ordenskreuz symbolisierend. Consenior, Subsenior (xx oder Vx) ist der Stellvertreter des x und meist auch der Fechtwart; Schriftwart, Schriftführer, Scriptor, Aktuar (xxx); Säckelwart, Kassier, Quästor (xxxx); Fuxmajor (FM oder Fx). Der x und der Fx werden auch als die hohen Chargen bezeichnet, da sie die zeitaufwendigsten und verantwortungsvollsten Chargen sind. In der Altherrenschaft bestehen die selben Chargen ohne dem Fuxmajor.

Contrarium: Das ebenfalls mit bestimmten Ordnungsfunktionen ausgestattete „Gegen­über“ des Präsidiums bei einer Kneipe oder einem Kommers.

Contrahage: Ist eine Forderung zur Mensur – auch wegen einer Beleidigung, weshalb oft auch von einer persönlichen Contrahage (PC) gesprochen wird. Das Wort entstammt der französischen Sprache (vergl. auch das lateinische contrahere).

Convent: (lat. Zusammenkunft) Beratendes und beschlußfassendes Organ einer Verbindung. Ausdruck des demokratischen Prinzips; Fuxenconvent (= Fuxenstunde), Chargenconvent (CC), Engerer Convent (EC), Burschenconvent (BC), Altherrenvorstand (AHCC), Altherrenconvent (AHC), Altherrenverbandstag (AHVT) und der Generalconvent (GC). Weitere Organe des Bundes sind das Ehrengericht, der Ehrenrat, Rechnungsprüfer und Amtswalter.

Conventsgeheimnis: Stillschweigen über Vorgänge am Convent und in der Verbindung gegenüber am Convent nicht Teilnahmeberechtigten.

Corona: (lat. Kranz) Teilnehmerkreis, gesellige Runde

Corps: Corps leitet sich vom lateinischen corpus und dem griechischen choros ab. Das engere Corps einer Studentenverbindung bilden ursprünglich nur die Burschen, während die Füxe und die Conkneipanten zum weiteren Corps zählten. Die ersten Corps verfielen bei ihrer Gründung, ab Anfang des 19. Jhs, notgedrungen auf diese Bezeichnung, da die Behörden auf die als umstürzlerisch verrufenen Landsmannschaften und Kränzchen ausgesprochen allergisch waren. Die Corps gehen aus den Landsmannschaften hervor, sind unpolitisch, überkonfessionell, oft von aristokratischer Art (weiße Corps) und pflegen das Toleranzprinzip. Ältestes Corps in Halle um 1789. Neben dem weißen Kreis, dessen adelige Vertreter nur noch in der Bundesrepublik vorhanden sind, gibt es noch schwarze Corps (konservatives Prinzip), blaue Corps (gesellschaftliches Prinzip) und die grünen Corps, welche eine sehr lockere Auffassung von couleurstudentischen Traditionen haben.

Couleur: (franz. Farbe) Das Couleur ist die Farbe der Verbindung – also Band und Mütze. Zur Couleur zählen alle Gegenstände, die mit den Farben oder dem Zirkel des Bundes ausgestattet sind (Mütze, Cerevis, Tönnchen, Band, Zipfe, Bierläuse, Nadel etc.)..

Couleurkarten: In der Frühzeit der Burschenschaften dienten sie als Mitgliedsausweise auswärtiger Bundesbrüder, wenn sie unterzeichnet und gesiegelt waren.

Couleurpfiff: Er dient den Bundesbrüdern als akustisches Ruf- und Wiedererkennungszeichen und beinhaltet zumeist die ersten Töne des Farbenliedes.

Deckel: Studentische humorvolle Bezeichnung für die Mütze als Kopfbedeckung .

Dimission: (lat. fortschicken) Entlassung bzw. Ausschluß eines Verbindungsmitgliedes, D. ad tempus- auf bestimmte Zeit; D. in perpetuum- auf Dauer, D. i. p. cum infamia – auf Dauer mit Schande.

Ehrenrest: Der Bierrest im Glas, den man auf jemandes Wohl trinkt. Auch schäbiger Rest genannt.

Fakultatives Prinzip: Prinzip der Freiwilligkeit hinsichtlich des Mensurschlagens. Die Mitglieder der Sängerschaft bekennen sich zu diesem Prinzip.

Fax: Umgangssprachlich für Couleurdiener, leitet sich die Bezeichnug vom lateinischen facere (machen) her. Der Fax hatte oft eine Wohnung oder ein Zimmer auf dem Haus und fungierte als Hausmeister und Hausverwalter. Er gehört gleichermaßen zur Familie und paßte ein wenig darauf auf, daß seine Studenten nicht allzu sehr über die Stränge schlugen. Vor dem Zweiten Weltkrieg war ein Fax ein absolutes Muß für eine Verbindung. Später wurde dieser Luxus für viele Bünde unerschwinglich.

Farbentragend/Farbenzeigend: Farbentragend bedeutet, daß Angehörige einer Verbindung Band und Mütze tragen; farbenzeigend, daß die Verbindungsfarben nur in Fahne und Zipfeln geführt werden.

Fechten: Von den Rittern übernommen und von Fechtbruderschaften weiterentwickelte Art des Kampfes mit Hieb- und Stichwaffen, von den Studenten trotz vielfachen Verbotes des Waffentragens leidenschaftlich gepflegte Form zur Regelung von Ehrenangelegenheiten. Schließlich Anlaß für die Spaltung in schlagende, fakultativ- und nichtschlagende Verbindungen.

Ferialis: Regelmäßiges Verbindungstreffen zwischen dem Sommer- und Wintersemesterbetrieb.

Fiducit: (lat.) Treue möge währen; freier übersetzt: vertraue darauf.

Fidulität: Vergnügliches ungezwungenes Beisammensein ohne bestimmte Regeln oder Programmm.

Fink: Um 1740 ist diese Bezeichnung aufgekommen für den ungeregelt Lebenden, also keiner Verbindung angehörenden Studenten. Die Beziehung zum Vogel „Fink“ war damals offensichtlich gewollt, denn der „Vogel Fink“ (der „Fink als Student“) ist ungebunden, überdurchschnittlich frech (hat von nichts eine Ahnung). Kein Grund für diese ungebundenen Vögel (Studenten) stets fröhlich zu sein, denn oft sitzen sie einsam in ihrem Vogelbauer (Studenten­bude). Früher wurden die Finken auch deshalb als „minderwertig“ angesehen, weil sie keinen Comment kannte.

Flaus: (von Flausch, d. h. wallender Rock, auch Pekesche oder Bierjacke genannt) Eine mit Verschnürungen versehene, meist in Samt gehaltene festliche Jacke. Bestandteil der Vollwichs. Seine Farbe entspricht vorwiegend der Farbe der Mütze, kann aber auch durch schwarz ersetzt werden. Unter dem Flauskragen, der völlig zu schließen ist, soll ein weißer abnehmbarer Stoffeinsatz angebracht sein.

Fux: Ursprüglich der Neuling an der Universität, dann das minderberechtigte Verbindungsmitglied bis es Bursch wird. Im 1. Semester auch „Krassfux“ und im 2. Semester oft als „Brandfux“ bezeichnet.

Die Herkunft des Wortes ist strittig. Am ehesten nachzuvollziehen ist die Entwicklung aus dem niederdeutschen Voß, mit dem man einen groben ungelernten Kerl belegte. In „grauer Vorzeit“ war der Fux für die Burschen „ein Tier, das nicht Recht, nicht Unrecht hat“, nicht satisfaktionsfähig, ohne Comment, ohne jegliche Berechtigung zum Widerspruch und seinem Leibburschen ein ergebener Diener war. Doch bis der interessierte Kommilitone Leibfux geworden ist, dauert es in der Regel ein wenig. Zunächst ist der junge Student Spefux (Spe- von lat. sperare = hoffen). Man hofft, daß er eintritt und bekeilt ihn also. Der Spefux heißt deshalb auch Keilfux. Hat er sich dann als Gast des Bundes eingefunden, ist aus dem „Spefux“ der „Spähfux“ geworden. Er späht in den Bund hinein, sieht ihn sich also probehalber an.

Im ersten Semester nennen wir den Fux „krass“. Die Betitelung als Krassfux mag aus einer vermengenden Verballhornung des lateinischen crassus (derb) und des deutschen grass (gräßlich) entstanden sein. Der Krassfux hatte noch keine Ahnung von den akademischen Umgangsformen und war ein noch dementsprechend derber Kerl. Bis zum zweiten Couleursemester hat sich der „derbe“ Kerl schon ein gutes Stück Comment und akademische Denkweise angeeignet. Er heißt dann Brandfux. Diese Bezeichnung beruht nicht auf der Zeremonie der Brandung. Bei Aufkommen dieses Ausdrucks wurde man noch zum Brandfuxen geschlagen. Die Brandungszeremonie, deren markanter Bestandteil das Haareversengen war, damit der Fux auch trocken hinter den Ohren werde, entwickelte sich erst später. Ein symbolischer Zusammenhang mit dem reinigenden und freimachenden Element „Feuer“ ist trotz des wenig feurigen Ursprungs wahrscheinlich: Der in seinem Comment, akademisch-freieren Denken und Bewußtsein schon gefestigte Brandfux konnte im Kampf gegen die Reaktion von Adel, Kirche und anderer „zurückgebliebener“ Bevölkerungsschichten bereits eingesetzt werden. Den Ursprung des Brennens/Brandfuxes sieht eine Theorie in einer alttestamentarischen Überlieferung: Samson – ständig im Streit mit den ihm verhaßten Philistern – scheuchte einst 300 Füxe in die Gärten und Weinberge der Philister; zwischen den Schwänzen jeweils zweier Füchse hatte er Brände befestigt, damit Häuser und Ernte der Philister in Flammen aufgingen. Auf Wunsch des Fuxen wird die Branderung noch bei manchen Sängerschaften – in entschärfter Form – zelebriert (vgl. §146 „Allgemeiner Deutscher Bierkomment“).

Gehört der Fux einer (fakultativ) schlagenden Verbindung an, kann er bei der Mensur seines Bundes auch einmal Schleppfux sein. Während sich der Schleppfux seinen Namen früher damit verdiente, daß er den Mensurwichs zum Paukboden schleppte, bleibt ihm dies in unseren Zeiten weitgehender Gleichberechtigung erspart. Fuxen werden heute meist zum Klingenwischen eingesetzt.

In der heutigen Studentensprache bestehen die beiden Schreibweisen „Fuchs“ und „Fux“ nebeneinander. Schon darin spiegeln sich die verschiedenen Thesen über die Herkunfrt des Begriffes. Für „Fux“ spricht auch die Ableitung vom lateinischen „Faex“, d.h. Bodensatz einer Flüssigkeit. Schon in klassischer Zeit wird die Bezeichnung auch für die niedrigsten Bevölkerungsschichten verwendet. Andererseits spielen in der „burschikosen Zoologie“ ( wie heute noch in der Umgangssprache) die Bezeichnungen Esel, Kamel, u.Ä.. Aus dem Niederdeutschen kommt die Bezeichnung „Voß“ für Narr, grober ungelernter Kerl, und Oberdeutsch „foß“ bedeutet faul. Ein anderer Deutungsversuch geht auf die Voksmeinung zurück, daß ein Student so wie eine Drohne wenig nützliche Arbeit leiste. Drohne = lat. fucus. Daraus wurde die volkstümliche Bezeichnung „Fux“ oder „Fuchs“.

Fuxenherrlichkeit: Die sonst minderberechtigten Füxe gelten bei dieser Zusammenkunft als vollberechtigt, während Burschen und Alte Herren für diese Zeit in den Fuxenstatus versetzt werden. Wird anstelle eines Inofficiums meist einmal im Semester gepflogen. Die Fuxen haben dabei die Kneipgewalt.

Fuxenritt: Mit Sesseln im Kneiplokal durchgeführte Nachahmung der früher stürmischen Begrüßung bzw. des Einzugs der neuen Fuxen.

Fuxenstall: Bezeichnung für alle Fuxen des jeweiligen Bundes.

Fuxmajor: Mit der Erziehung der Füxe beauftragte Charge; mittelalterlicher Vorläufer ist der „abbas beanorum“.

Gaudeamus igitur: (lat. also laßt uns fröhlich sein) Anfangsworte des wohl bekanntesten Studentenliedes. Seit 1781 in der heutigen Fassung. Als kirchliches Bußlied aber bereits 1267 nachweisbar. Seit 1582 beginnt es mit den Worten „Gaudeamus igitur..“

Halbwichs: Statt der weißen Buchsen und den Kanonen werden eine normale dunkle (schwarze) Hose und Schuhe getragen; sonstige Adjustierung wie bei der Vollwichs, wobei der Schläger ohne Gehänge mitgeführt wird. Die Chargen sind bei der Semesterantritts- bzw Abschlußkneipe in Halbwichs gekleidet. Der Halbwichs ist nicht gleichzusetzen mit dem Salonwichs.

Inaktiv: Bursche, der von den meisten Aktivenverpflichtungen befreit ist.

Aktive Burschen, die der Sängerschaft durch mindestens fünf Semester, davon drei als aktive Burschen, angehört haben, ihre Verpflichtungen nachgekommen sind, sowie an mindestens einer Sängerschafterwoche in Feld am See (oder gleichrangigen Veranstaltung) teil­genommen und die Paukprüfung erfolgreich abgelegt haben, können über ihren Antrag vom BC zu inaktiven Burschen ernannt werden. Ortsansässige Inaktive haben bis zur Vollendung ihres achten Farbensemesters an den Chorproben und den ordentlichen Burschenconventen teilzunehmen.

Inofficiums: Nicht offizieller, lockerer Teil einer Kneipe, der dem Officium folgt. Das Präsidium und die Contrarien werden dafür abgelöst.

Kanone: (lat. canona = Rohr) Studentische Bezeichnung für die schwarzen Stiefelschäfte.

Kartell: Ein Kartell ist die engere freundschaftliche Beziehung zweier oder mehrerer studentischer Verbindungen, die gleichartige Zielsetzungen verfolgen und deswegen freundschaftliche Beziehungen untereinander pflegen. Ein Kartell kann daher auch ein reines Zweckbündnis sein. Der Ausdruck Kartell bezieht sich auf die Vertragsurkunde (frz. caner; lat. charta), die ein Kartellverhältnis besiegelt.

Angehörige von Kartellverbindungen genießen je nach Ausgestaltung des Kartellvertrags im jeweils anderen Kartellbund oft die gleichen Rechte, wie Angehörige dieses Bunds. Die Anrede unter ihnen ist in der Regel Kartellbruder.

Wenig freundschaftlich gesinnt ist hingegen der sogenannte Kartellträger.Der Herr im schwarzen Anzug überreicht auf einem Silbertablett die carta (ital. für Papier), die eingerissene Visitenkarte eines Waffenstudenten, der den Empfänger damit zu einer persönlichen Contrahage fordert. Der so Geforderte bestimmt seinerseits einen Kartellträger, der mit seinem Gegenpart die Modalitäten der Partie aushandelt bzw. eine gütliche Einigung vermittelt.

Karzer: (lat. Kerker) Universitätsgefängnis mit meist nicht sehr strengen Regeln.

Keilen: Werbung neuer Mitglieder (aus der Gaunersprache, bedeutet auch prügeln)

Kneipe: Das seit dem 18. Jahrhundert bezeugte Wort gehörte zunächst hauptsächlich der Studentensprache an und bezeichnete eine schlechte, gemeine Schenke und das dort abgehaltene Trinkgelage, später aber auch das (kleine) Zimmer eines Studenten oder die Verbindungskneipe. Im sächsischen Sprachgebrauch stand die Vorsilbe kneip für klein oder schlecht.

Kolloquium: (lat. Gespräch) Mündliche Prüfung. Auch der dem formlosen Gespräch der Teilnehmer gewidmete Teil von Kneipen und Kommersen.

Komment: (franz. wie) Sammelbegriff für spezifisch studentische Regeln und Ausdrücke des Gemeinschaftslebens. Der Ausdruck kam um 1770 auf und löste rein begrifflich die Burschenraison ab, die erste schriftliche Fixierung erfolgte 1791 in Jena. Auf Sondergebiete beziehen sich der Bier-, Kneip- und Paukkomment. Heute am Weitesten verbreitet ist der „Allgemeine Deutsche Bierkomment“ aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, doch hat jeder einzelne Bund auch heute noch bestimmte Eigenheiten und Sonderregeln.

Kommers: Studenten griffen das seit dem 18. Jahrhundert bezeugte Fremdwort Kommers (lt. commercium = Handel und Verkehr) auf und verwandten es zunächst zur Bezeichnung jeder Art von geräuschvoller Veranstaltung, etwa von Umzügen, dann speziell zur Bezeichnung einer festlichen Kneipe.

Konservatives Prinzip: Mitglieder von Bünden, die dieses Prinzip pflegen, geben unbedingte Satisfaktion. Bestimmungsmensuren und die Annahme von Kontrahagen sind verpflichtend. Aktive müssen eine gewisse Anzahl von Mensuren gefochten haben.

Kornblumenblau: Die tiefblaue Kornblume galt als Lieblingsblume Bismarcks. Sie wurde damit auch zum Symbol der deutschnationalen Bewegung Altösterreichs. Über diese Blume debattierte 1909 sogar der Reichsrat, nachdem antiösterreichisch gesinnte Gymnasiasten beim Linzer Sportfest die gefiederte blaue Ackerblume öffentlich getragen hatten, und sich damit den Zorn der Unterrichtsbehörden zuzogen.

Die Kornblume behielt ihren deutschnationalen Symbolgehalt auch in der Ersten Republik, wo sie  die Sehnsucht vieler Österreicher nach der „Heimkehr ins Reich“ auszudrücken suchte.

Die blaue Kornblume hat die zwei Weltkriege überdauert, und lebt auch noch heute im Gedanken jener weiter, die dem deutschnationalen Gedanken etwas abgewinnen können. Zum Beispiel beim „Österreichischen Turnerbund“, der 1952 die Farbe kornblumenblau als Farbe für die Übungsanzüge seiner Turnerinnen wählte. Keine zufällige Wahl, denn die Kornblume gilt als Sinnbild des ungebundenen Wachstums, sie tritt überall am Rande von Getreidefeldern auf, unausrottbar, leuchtend in ihrem blau...

Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weiß-Rot -  Deutschlands umkämpfte Farben

Die Entstehung der jetzigen deutschen Nationalfarben beruht eigentlich auf einem Mißverständnis. Die Jenaer Urburschenschaft trug im Andenken an das Lützschowsche Freikorps einen schwarzen Waffenrock („Flaus“) mit rotsamtenen Aufschlägen („Vorstoß“). Sie führte eine rot-schwarz-rote Fahne mit einem goldenen Eichenzweig. Diese drei Farben wurden infolgedessen von den Studenten fälschlicherweise als die alten Farben des Reiches gehalten, als die deutsche Burschenschaft 1818 (im Zuge des Wartburgfestes von 1817) durch Vertreter von 14 Universitäten gegründet wurde. Die Studenten beschlossen also die sogenannten „alten Reichsfarben“ („in Gold ein schwarzer rotbezungter Adler“) überall im Land zu verbreiten. Je mehr sich aber die Restauration gegen diese  neuen „Freiheitsfarben“ wehrte, desto populärer wurden sie. Sie erschienen auf Kokarden und in Gedichten, und der als Verfasser des Textes zum Deutschlandlied bekannt gewordene Hoffmann von Fallersleben  widmete ihnen sogar eine eigene „Deutsche Farbenlehre“, nach welcher ein roter Strahl und goldenes Licht aus schwarzer Nacht hervorbrechen würden, um sich im Reichspanier zu vereinen. 1832 erließ der Deutsche Bund ein ausdrückliches Verbot dieser Farben - wieder mit dem Effekt weiterer Publizität.  1848 brach dann der Sturm los, die Freiheitsfarben ließen sich nicht mehr bändigen.

„Was ist des Deutschen Vaterland?“ fragte Ernst Moritz von Arndt auf einem schwarzen Flugblatt mit goldener Schrift und roter Umrahmung. Solche und ähnliche publizistische Mittel verfehlten nicht ihre Wirkung. Also änderten die deutschen Fürsten ihre Strategie, und am 13. November 1848 verkündete Erzherzog Johann als Reichsverweser die Annahme der drei Farben als gemeinsame Kriegs- und Handelsflagge des Deutschen Bundes. Doch daraus wurde nichts, denn das Blatt wendete sich erneut. Die Arbeiterschaft fand die Farben zu „bürgerlich“, und die Preußen fanden sie zu „österreichisch“. Die ersten hielten sich an die rote Fahne, die letzteren propagierten ihre „Nationalfarben“ Schwarz-Weiß - die alten Farben des Deutschen Ritterordens.

Für die Preußen wurden die großdeutschen Farben vollends unakzeptabel, als diese sich im Krieg von 1866 Soldaten mit schwarz-rot-goldenen Armbinden gegenübersahen: Österreich hatte sich die Sehnsüchte der deutschen Jugend zu eigen gemacht und war zu seinem (vergeblichen) Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland unter der schwarz-rot-goldenen Trikolore angetreten - ein Umstand, der uns heute kaum mehr bewußt ist !

Schwarz-Weiß-Rot

Nach dem Sieg über Österreich entschied sich Bismarck , der mit Recht den Standpunkt vertrat, daß Schwarz-Rot-Gold niemals die Farben des Reiches gewesen waren am 9.Dezember 1866 für einen Kompromiß: er verband die alten preußischen Farben Schwarz-Weiß mit den hanseatischen Farben Rot-Weiß. Daraus entstand die Handelsflagge des Norddeutschen Bundes, die praktisch bis zum Ende des Ersten Weltkrieges die deutsche Nationalflagge bildete. Im Rheinland und in Süddeutschland blieben zwar Schwarz-Rot-Gold noch in Erinnerung, doch ließ sich nach der Niederwerfung der Franzosen 1870/71 unter der Führung Preußens der Siegeszug von Schwarz-Weiß-Rot nicht mehr aufhalten. Die Flagge stand bald für alles das, was   man  heute   noch unter deutschem  Nationalismus und Imperialismus versteht:  Machtentfaltung, Kolonialreich, Flottenaufbau, Antisemitismus, Kampf gegen das Proletariat.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zum sogenannten „Flaggenstreit“ der Weimarer Republik. Die deutsche Sozialdemokratie und das Zentrum traten mehrheitlich für Schwarz-Rot-Gold ein, hingegen setzten sich die rechtsstehenden bürgerlichen Parteien, Frontkämpfer, Heer und Flotte für die Bismarck- Farben ein. Ein 1921 ausgehandelter Kompromiß (die Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold, die Handelsflagge Schwarz-Weiß-Rot mit Schwarz-Rot-Gold im mastseitigen Obereck) erwies sich als nicht tragfähig. Die beiden Farbkombinationen standen einander unversöhnlich als Symbole von Republik- und Reichsideologie gegenüber. Diesem eineinhalb Jahrzente dauernden Streit setzten die Nationalsozialisten ein Ende. Ihre Hakenkreuzfahne beherrschte immer mehr die Szene. Das Reichsflaggengesetz erklärte am 15.September 1935 die Hakenkreuzfahne zum offiziellen deutschen Staatssymbol, der Fahnenstreit wurde somit autoritär und diktatorisch beendet.

Schwarz-Rot-Gold konnte sich erst nach dem II. Weltkrieg wieder durchsetzen und seit Ende dieses Krieges sind diese drei Farben wieder die Nationalfarben der Bunderepublik Deutschland.

Mensur: (lat. mensura = Abmessung) Ursprünglich (um 1600) der Abstand der Fechter zueinander, dann Bezeichnung des studentischen Zweikampfes überhaupt (mehr darüber im Teil „Die stud. Mensur“).

Mütze (= Deckel, = Kappe, = Keo, = Cou­leur): Die heute übliche Schirmmütze taucht ab 1790 beim Militär auf und verbreitete sich durch die Napoleonischen Kriege, so auch beim Lützow­schen Freicorps. Von dort findet sie Eingang bei den Studenten. Als studentische Couleur ist die Mütze erstmals 1808 bezeugt. Fester Bestandteil der studentischen Couleur sind Mützen bei den farbentragenden Verbindungen jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geworden.

Form und Material orientierten sich dabei nicht an funktionalen Gesichtspunkten. Mützen sollten, anders als der bis etwa 1850 gebräuchliche Mensurhut nicht vor Schlag oder wie eine gewöhnliche Kopfbedeckung gegen Wind und Wetter schützen. So galt der Urburschenschaft das Tragen eines Hutes, wie das Führen einer Waffe, beispielsweise als Zeichen der Freiheit, denn diese Insignien standen nur privilegierten Kreisen zu.

Mützen sollten aber nicht nur eine Gesinnung ausdrücken. Sie sollten ihren Träger auch schmücken und gegebenenfalls verwegen aussehen lassen. Wie die sonstige studentische Kleidung war die Mütze deshalb stark der Mode und dem Zeitgeist unterworfen. So bildeten sich im Laufe der Zeit die verschiedensten und abenteuerlichsten Formen heraus: Die kleine Hinterkopfcouleur, das hohe oder flache Biedermeierformat, der militärisch anmutende Stürmer mit seiner steifen, kreisförmigen Vorderplatte, der schlichte Jenenser, das ausladende Teller- oder das gefällige Schlappformat, in Stoff oder Samt.

Vorbild waren in der Frühzeit insbesondere die französische Jakobinermütze, militärische Kopfbedeckungen und landsmannschaftlich typische Formen. Das extrovertierte Renommierbedürfnis, das die Mützenmode zunächst entscheidend mitprägte, verschwand in diesem Jahrhundert fast vollends: Betrachten wir Mützen von Verbindungen, die nach dem 1. Weltkrieg gestiftet worden sind, stellen wir eine deutliche Tendenz zu kleineren, unauffälligeren Formen fest. Heute gibt es eine Vielzahl von Formaten. Diese lassen sich einerseits nach der Trageweise in Nackenformat (= Hinter­hauptcouleur) und Tellerformat einteilen. Andererseits ergeben sich durch die verschiedenen Verhältnisse von Teilhöhe (= Stoffbreite zwischen Perkussion und Durchbruch) und Deckeldurchmesser – mit teilweise zusätzlich noch wechselnder Schirmgröße – etliche Formate, die eigene, aber nicht immer allgemein gültige und verbindliche Namen bekommen haben. Es gibt demnach neben dem Stürmer ein Schlapp-, Steif-, Halbschlapp-, Halbsteif-, Biedermeier-, Heidelberger und Jenaer Format. Am meisten haben sich heute wohl das Halbschlappformat mit leichten Varianten im Schnitt durchgesetzt.

Gleich welche Form Mützen auch hatten und haben, ein symbolischer Charakterzug ist allen gemein: Die Mütze, die ja ein Hut ist, stand und steht für das Behütetsein unter den eigenen Farben: durch den eigenen Bund. Die Bundesfarben tauchen deshalb bei fast allen Mützen im Stirnband auf. Deckel und Seiten sind regelmäßig in der obersten Farben des Burschenbandes gehalten. Nur selten gibt es Ausnahmen von dieser letzten Regel (z. B. S! zu St. Pauli in Jena: weiß statt dunkelblau).

Nationen: Im akademischen Bereich Gliederung der Studenten nach ihrer Herkunft, in Paris und Bologna üblich, an den deutschen Universitäten nur von Prag, Wien und Leipzig übernommen. Bestanden, wenn auch nicht mehr im ursprünglichen Sinn, am längsten in Wien bis 1849.

Officium: (lat. Dienst, Pflicht) Feierlicher Teil einer Kneipe oder eines Kommerses.

Orden: Freimaurerähnliche, studentische Vereinigungen des 18. Jahrhunderts.

Paradecerevis: Siehe unter Cerevis bzw. Kapitel Farbenbrauch

Pennal: Federbüchse; später auch Spottwort für junge Studenten, die die älteren Semester bedienen mußten.

Pennäler: Im deutschen Sprachgebrauch der Gymnasiast, in Österreich auch der Angehörige einer Pennalie.

Perle: Entspricht beim Wein der Blume des Bieres.

Philister: In Jena 1689 entstandene Bezeichnung für die Nichtstudenten = Bürger. Später im studentischen Bereich Bezeichnung für die Alten Herren.

Rezeption: (lat. Aufnahme) Feierliche Aufnahme in eine Verbindung .

Salamander: siehe im „Kneipbrauch“

Satisfaktion: (lat.) Genugtuung

Schärpe: Breites Seidenband in den Kor­porationsfarben, das zum Flaus in Vollwichs getragen wird.

Schlagende Verbindungen: Sammelbezeichnung für jene Bünde, deren Mitglieder verpflichtend Mensuren schlagen.

Schläger: Studentische Fechtwaffe mit gerader Klinge. Der Schläger gilt als Symbol der Wehrhaftigkeit und der persönlichen Freiheit. Er wird – zumeist mit Scheide und Gehänge – mit stumpfer Schneide zur Vollwichs getragen. Der Korb (= Griffschutz) trägt zumeist die Verbindungsfarben.

Schmiß: (mhd. smizen = schlagen) Mensurnarbe.

Schmollis: Vielleicht ursprünglich ein bestimmtes Getränk, jetzt ein Zuruf beim Zutrinken. Kann entstanden sein aus lat. sis mihi mollis = sei mir angenehm; oder norddeutsch. smullis = schlemmen.

Sekundant: siehe „Die studentische Mensur“.

Senior: Jeweils für ein Semester gewählter oberster Repräsentant der Aktivitas (vgl. Charge). In der Akad. S! Hsbg. als Sprecher bezeichnet.

Silentium: (lat. Ruhe) Mit diesem Ruf gebietet das Präsidium einer Veranstaltung allgemein Ruhe, um dann mit dem nächsten Programmpunkt fortsetzen zu können.

Stoff: Seit spätestens 1616 bekannte und heute noch in studentischen Kreisen übliche Bezeichnung für Bier.

Straßencerevis: Siehe unter Cerevis bzw. Kapitel Farbenbrauch

Stürmer: In der Form eines „umge­fallenen“ Zylinders wird bei einigen Verbindungen als vollwertiger Ersatz für die Mütze getragen. Der Stürmer wird nicht abgenommen, stattdessen damit salutiert. Er kann statt der Couleurfarbe auch in Weiß gehalten sein.

Tempus: (lat. Zeit) Peto tempus = ich bitte um Zeit, um mich vorübergehend von der Kneiptafel entfernen zu dürfen. Peto tempus utile = Ich erbitte dringend um Zeit (da man in diesem Fall zum stillen Ort eiligst möchte).

Testant: siehe „Die studentische Mensur“

Tönnchen/Biertonne: Siehe unter Cerevis bzw. im Kapitel Farbenbrauch.

Verschiß: Die Bedeutung dieses studentischen Idioms verrät sich beinahe von selbst: Es kommt – ungeschminkt ausgedrückt – vom Scheißen, was in diesem Zusammenhang mit ausscheiden oder abstoßen übersetzt werden darf.

Der Verschiß ist die Folge eines Verstoßes gegen studentischen Comment und ist uns heute insbesondere noch als Bier- und Mensurverschiß bekannt. Der Verschisser hat, je nach Art des Commentverstoßes, seine Bier- oder Mensurehre verloren und muß sich von seinem Verschiß reinigen. Bis zur Reinigung ist er als vollwertiges Mitglied aus dem Bund ausgeschieden. Äußerlich macht sich das dadurch bemerkbar, daß er im Bierverschiß nicht mehr an der Kneipe teilnehmen, im Mensurverschiß die Farben des Bundes nicht mehr tragen darf. Die Ausdrucksformen waren nicht immer derart subtil. Laukhard etwa beschreibt in seiner Autobiographie sehr lebendig die Modalitäten des späten 18. Jahrhunderts: Die Studenten zogen zur Bude des Verschissers, „löseten die Hose auf und verehreten dem ... eine solche Materie auf Stuben, die man sonst auf dem Misthaufen zu bringen pflegt.“

Die Reinigung erfolgt durch das Aus­pauken aus dem Verschiß.

Wappen: Studentische Wappen treten erst um 1800 auf und wurden von tüchtigen Porzellanmalern zur Verzierung der blendend weißen Pfeifenköpfe erfunden. Sie richten sich auch nicht nach den strengen Regeln der Heraldik.

Bestandteile sind meist die Verbindungsfarben, Gründungsdatum, Symbole der Prinzipien (z. B. Eule für Weisheit, Schläger für Wehrhaftigkeit und Ehre, ...) und Teile von Landes- oder Stadt­wappen.

Wichs: Dieser Ausdruck ist erstmals 1778 für das studentische Festkleid belegt. Er kommt von „wichsen“, d. h. glänzend machen. Der mit der Wichs bekleidete Student heißt Chargierter, unabhängig davon, ob er eine Charge bekleidet oder nicht. Zur Vollwichs gehören: Paradecerevis oder Barett, Flaus, Schärpe, Band, Schläger mit Gehänge, Buchsen (Ho­sen), Stiefel (oder Kanonenrohre) und Handschuhe.

Zipf: Der Zipf ist von einem mit den Verbindungsfarben geschmückten An­hänger zum Herausziehen der Ta­schenuhr zu einem Gegenstand mit ho­hem Symbolgehalt geworden. Er ver­sinnbildlicht die besondere Freundschaft und Wertschätzung, die Bundes-, Kar­tell- und Farbenbrüder füreinander em­pfinden.

Dem ursprünglichen Zweck des Zipfes entsprechend, wird er an einem Zipfhalter am Hosenbund getragen. Manche Korporationen tragen Zipfe auch an der Schulterspange des Flauses oder am Bierglas.

Die Metallteile bestehen aus Zinn, Silber, Double oder Gold; die Ausführung des Schubers (breiter Mittelteil) kann heraldisch oder glatt sein. Jeder Zipf wird mit einer Gravur versehen, die die Namen der Tauschenden aufweist, aber auch Anlaß und Datum enthalten kann (z. B. Rolf s. lb. Lbf. Dieter – Jul 1995).

Es gibt Bierzipfe (mit Burschenband), Weinzipfe (halbe Burschenbandbreite) zum Tauschen oder Verschenken und Sektzipfe (Bandbreite eine Viertel des Burschenbandes) als Geschenk für Damen.

Zirkel: Zirkel studentischer Verbindungen sind erstmals 1783 belegt. Sie knüpfen an die freimauererische Tradition der Gildezeichen. Der Zirkel einer studentischen Verbindung ist quasi die Kurzunterschrift des Bundes. Ebenso wie die Gildezeichen der Freimaurer, zeichnen sich Zirkel regelmäßig dadurch aus, daß sie in einer Linie durchgezeichnet werden, also in sich geschlossen sind.

Diese Form symbolisiert, wofür der Zirkel (lat. circulus = Kreis) steht: für einen Freundeskreis, der ein Lebensbund sein will. Das Ausrufungszeichen ist den Zirkeln wohl erst ab 1820 hinzugefügt worden. Das Setzen des Ausrufungszeichen soll die Bereitschaft bekräftigen, für seinen Bund auch mit der Waffe in der Hand einzustehen. Die Studentensprache der 1830er Jahre kannte das Wort Ausrufungszeichen als Synonym für den Schmiß. Ein weiteres Indiz für die Richtigkeit dieser Deutung ist die Zeit der erstmaligen Verwendung des Ausrufungszeichens: Erst wenige Jahre zuvor hatte die Urburschenschaft in ihrer Satzung – kategorisch, wie keine Verbindung zuvor – festgestellt, daß die Verweigerung der Satisfaktion automatisch den Verlust des Burschenrechts bedeute. Im Gegensatz zu anderen Verbindungen, die ebenfalls Satisfaktion forderten und gaben, war die Basis und der Einfluß der Urburschenschaft vorübergehend derartig groß (an manchen Hochschulorten waren über 50 Prozent der Studenten Mitglieder der Burschenschaft), daß ihre Auffassung besondere Bedeutung für die studentische Meinungsbildung hatte. Die verbindliche Normsetzung mag ein Grund dafür gewesen sein, daß auch andere Korporationen begannen, die Frage für derartig fundamental zu halten, daß sie ihre Zirkel um ein Ausrufungszeichen ergänzten