Von Marc Doll


Es kommt nicht oft vor, dass man Stellungnahmen der Grünen und der Linkspartei unterschreiben kann, aber dieses Mal geht einem das Herz auf ob dieses politischen Coming-Out. Mit der Kampagne „Ich-bin-linksextrem“ zeigen uns diese beiden Parteien, welch Geistes Kind sie sind bzw. beherbergen und wie man deren Politik einzuschätzen hat. Die Begründungen dazu sind allerdings Unsinn.

Torben Schulz ist linksextrem, weil er „nicht alles glaubt, was in der Zeitung steht“, Marius Karl ist linksextrem, weil „gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht beim Geld aufhören darf“. Der nächste ist linksextrem, weil er Homophobie doof findet und so geht die Reihe der „Geständnisse“ weiter. Wer sich davon nicht sofort veräppelt fühlt, erinnert sich womöglich an das letzte Vorstellungsgespräch, bei dem der müffelnde Bewerber ohne Schulabschluss seine größte und einzige Schwäche mit „zu fleißig“ umschreibt und es erschleicht einem die Angst, dass man vielleicht, ohne es zu wissen, nicht selbst linksextrem ist, weil man gestern den Abwasch hat stehen lassen.

Linksextrem bedeutet offenbar „gegen Intoleranz“ zu sein (und deshalb intolerant sein zu dürfen), jedem (auf Kosten der Arbeitenden) ein „schönes Leben zu wünschen“, „nicht wegzusehen“, wenn andere Menschen (sofern Migrationshintergrund) „verrecken“ und für eine „extrem demokratische Welt“ einzutreten (in der jede nicht-linke Meinung verfolgt und verboten wird) – Ergänzungen durch mich. Diese wohlklingenden Positionierungen könnten von Leuten aller politischen Ausrichtungen, ja bis hinein ins rechtsextreme Lager, getätigt werden und sagen deshalb nichts über die politische Richtung aus. Was hier wirklich stattfindet ist eine Verschleierung des linksextremen Wesens durch Benutzung positiv konnotierter Werte, hinter denen sich das Gegenteil verbirgt, mit der Absicht, dass diese verfassungsfeindliche Gesinnung gesellschaftsfähig wird. Eine klassische Täuschung eben. Aber darüber hinaus sollen diese Begründungen auch als Legitimation für Gewalt und Verleumdung dienen, gegen jene vorzugehen, die (aus linksextremer Sicht) „intolerant“ sind und den Menschen „kein schönes Leben“ wünschen – und da fallen nicht nur eine Menge Bürger drunter, sondern gleich auch die, die – und sei es aus beruflichen Gründen – solche Menschen nicht wie Aussätzige behandeln, sondern wie es das Grundgesetz vorschreibt. So wurden regelmäßig Gaststättenbetreiber durch eingeschlagene Scheiben, Vandalismus und Bedrohungen in den beruflichen Ruin getrieben, weil sie nichts weiter taten, als Menschen zu bewirten, die laut linkem Gedankengut keine Menschenrechte besitzen und in linksextremen Systemen naturgemäß vernichtet werden.

 

Der erste Grund, warum Linksextremisten eben nicht die netten Menschenfreunde von nebenan sind, die nur das Beste im Sinn haben, ist das Fehlen der universellen Allgemeingültigkeit bei den oben genannten Bekenntnissen bei gleichzeitiger extrem asymmetrischer Kriegsführung, wenn es um das so gepriesene „offensive Vorgehen“ geht. Nicht das Ablehnen von Intoleranz ist linksextrem, sondern die Ausweitung des Begriffs bis hin zur Legitimation von Gewalt und Rechtsbrüchen auf der einen Seite, während man extremste Intoleranz gegenüber allem zeigt, was dem eigenen Weltbild widerspricht. Nicht der Wunsch nach einer „extrem demokratischen Welt“ ist linksextrem, sondern die Definition, wer in dieser „extrem demokratischen Welt“ alles so seine Meinung äußern darf und wer nicht und welche Repressionen politisch Andersdenkende darin erfahren würden. Oder anders ausgedrückt: die Ablehnung einer extrem demokratischen, oder überhaupt demokratischen Welt, ist linksextrem.

 

Der liebe Linksextremist „schaut gerne hin“, wenn „Menschen verrecken“, außer es sind von Türken totgetretene Menschen, denn dann gilt dieses hehre Bekenntnis nicht nur nicht mehr, sondern man geht sofort „offensiv“ gegen die vor, die dort „Hinschauen“ und knüppelt sie im Zweifelsfall nieder. Ansonsten herrscht lautes Schweigen im linksextremen Blätterwald. Es geht dem Linksextremisten also nicht darum, den Tod eines Menschen zu betrauern, sondern ihn instrumentalisieren zu können. Passt der Tod ins eigene Weltbild, ist der Tod eines Menschen also nützlich, so startet die Lichterkette. Passt er nicht, wird alles unternommen, um dies zu vertuschen, notfalls mit Gewalt. Angesichts dieser Tatsache mutet es wie ein schlechter Witz an, wenn Linke irgendwas von Mitgefühl oder „Hinsehen“ faseln.

 

Weiter schreibt eine Clara Belz, dass sie offenbar deshalb linksextrem sei, weil sie gegen Neonazis und Atomkraft ist und zwar „seit sie denken kann“, was ihr bei den Aussagen eh niemand abnimmt. Ebenso wenig nimmt man der lieben Clara ab, sich gegen Sexismus und Rassismus zu stellen, denn dann wäre sie ja Islamkritikerin, aber hier steht der Linksextremist von Welt eher auf und kämpft gegen die, die Sexismus und Rassismus ansprechen, um muslimischen Frauen zu zeigen, wie sinnlos es ist, in Deutschland Emanzipation auch nur zu versuchen. Dass „Mein Kampf“ in der islamischen Welt als Bestseller gilt, man sich bei Hisbollah und Hamas auch mal gerne mit dem Hitlergruß begrüßt und gleichzeitig die politische Linke diesen Terrororganisationen nicht unbedingt abgeneigt ist, schwächt jetzt auch ein wenig Belz‘ Glaubwürdigkeit bei Neonazis ab. Sie sieht hin, wo es ihr passt, halluziniert sich wahrscheinlich Rassisten her, wo keine sind – und wo es der Ideologie hilft, unterstützt man erzkonservative, reaktionäre Systeme, die in Sachen Sexismus und Rassismus weltweit unübertroffen sind. Der linksextreme Widerspruch schreit zum Himmel, wenn man an deren Mär vom edlen Ziel glaubt.

 

Linksextremisten haben aber keines, nicht eines dieser hoch gesteckten Ideale zum Ziel, weil sie stets mit zweierlei Maß messen und dadurch für jeden ersichtlich ist, dass dies nur Fassade für ihre eigentliche Grundlage ist: das Wohl der IdeologieWas der Ideologie nützt, ist moralisch und gut. Was ihr schadet, ist schlecht. Unter dieser Prämisse spielen Menschenrechte, Würde, Anstand, Demokratie keine Rolle, sondern sind nur die Garnitur, um uns den stinkenden Kothaufen namens Sozialismus schmackhaft zu machen.

 

Man kann natürlich leugnen, dass der Kapitalismus einem ein Leben in Freiheit und Wohlstand beschert hat, wodurch man überhaupt erst solchen Müll schreiben kann anstatt 14 Stunden am Tag auf dem Feld zu arbeiten oder völlig unemanzipiert die Kinder zu hüten hätte und man kann so „ideologisch herausgefordert“ sein, dass man im zweitschlimmsten Menschenvernichtungssystem aller Zeiten das Wohl der Menschheit findet. Aber dem Anspruch des Moralischen wird dies nicht gerecht. Und dem des Denkens schon dreimal nicht.

 

Linksextrem bedeutet weiterhin, dass man die Verfassung dieses Landes ablehnt und zwar gerade WEIL diese universelle Gültigkeit besitzen. Besonders die ersten 20 Artikel unseres Grundgesetzes – die Grundrechte – werden von dieser Bande regelmäßig mit Füßen getreten, wenn es darum geht, sie mit der eigenen Ideologie abzugleichen.

Wie steht es mit der Anerkennung der Würde eines, sagen wir mal Mitglieds der Identitären Bewegung? Begrüßt man den normal, setzt sich mit ihm bei einem Bier an den Tisch und diskutiert über die unterschiedlichen Ansichten, nur um sich danach zu einigen, dass man zwar in der Politik unterschiedliche Ansichten hat, aber der Mensch (!) dahinter immer noch ein Mensch ist und zudem freundlich und nett zu einem war? Nein, der Mensch interessiert den Linksextremisten nicht die Bohne. Es zählt einzig die politische Ansicht, die entscheidet, wer Würde besitzen darf und wer nicht. Wer am Leben bleiben darf und wer nicht.

 

Wie sieht es mit der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2) aus, wenn linksextremistische Gewalt- und Tötungsdelikte gerade Hochkonjunktur erfahren und Linksterroristen umjubelt werden, wenn sie wieder einmal einen Andersdenkenden mit Eisenstangen traktiert haben? Während die um 52% geringere rechtsextreme Gewalt (zurecht) von allen Gesellschaftsschichten abgelehnt wird, so teilen Extremisten Gewalt in gute und schlechte Gewalt ein. Es spielt also für sie eine Rolle, welche Farbe der Schnürsenkel hat, der gerade ein Gesicht zu Matsch verarbeitet und nicht die Tatsache, dass Gesichter-zu-Matsch-verarbeiten grundsätzlich falsch ist. Die Ideologie steht eben über dem Grundgesetz, selbst über dem Leben selbst.

 

Wie nehmen es Linksextremisten mit der Gleichberechtigung (Artikel 3)? Werden deutsche Opfer genauso betrauert wie ausländische? Wird das Christentum genauso behandelt wie der Islam? Wird tibetianischer oder palästinensischer Patriotismus genauso bewertet wie sein deutsches Pendent, welches jeder Linksextreme „zum Kotzen“ findet? Warum ist der Kampf für einen eigenen Staat mit homogenen Volk den Kosovaren und Palästinensern erlaubt, während Deutschen dieses Recht abgesprochen wird? Was ist mit der Gleichberechtigung der Frau in islamischen Ländern? Wie viele linksextremistische Islamkritiker gibt es? Und vor allem: werden politisch Andersdenkende genauso respektiert und toleriert wie selbst Verbrecher aus den eigenen Reihen?

 

Man könnte reihum so weiter machen. Die Meinungsfreiheit ist der schlimmste Dorn im Auge der Linksextremisten, erlaubt diese doch allen Menschen nicht nur eine andere politische Einstellung zu besitzen, sondern auch die wahre Natur des linken Systems zu offenbaren, den schreienden Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit und deshalb so sehr von Linksextremisten gehasst wird. Auch der Schutz der Familie bedeutet ihnen genauso wenig wie die Versammlungsfreiheit oder die Vereinigungsfreiheit oder Dutzende andere Rechte, die für eine freie, mündige Gesellschaft elementar sind. Es ist somit kein Zufall, sondern in erdrückender Weise ersichtlich, warum linksextreme Staaten immer und systembedingt nichts außer Mord, Leid, Verfolgung, Unterdrückung, Verelendung und Verrohung mit sich bringen, wenn sich genau hier im Kopf des kleinen, linksextremen Wohlstandskindes schon im Ansatz der Katalog der Verbrechen abzeichnet, der später Gesetz werden soll. Ein Staat, der von Linksextremisten gestaltet wird, wäre somit nur eine Neuauflage der bereits aus der Geschichte bekannten Menschenvernichtungssysteme und deshalb ist es gut und richtig, dass solche Irren vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass dies bald auch die Parteien mit einschließt, in denen ein solches Milieu problemlos gedeihen kann und irgendwann als Parlamentarier über das Schicksal dieses ihnen so verhassten Landes bestimmt. Und möglicherweise hilft dieses Bekenntnis ja eines fernen Tages, wenn sich besagte Parteien für ihre Politik vor dann unabhängigen Gerichten rechtfertigen müssen. In jedem Fall haben Grüne und Linke heute schon jedes moralische Recht verloren über liberale, konservative und rechtsdemokratische Bürger dieses Landes zu urteilen, die genau das leben, was Linke ständig von sich behaupten, während sie das Gegenteil tun.