Eindrücke vom Akademikerball

Gedächtnisprotokoll eines Balles

Von: wf

Ein junger Ballbesucher fasst seinen Eindruck vom Ball und dem Spießrutenlauf dahin zusammen.

Der Schwarze Block, links davon, die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Janine Wulz. Bild: unzensuriert.at

18:00, ich sitze im Wohnzimmer. Im Smoking, die neuen Lackschuhe glänzen , Couleur sitzt, ich schreib eine SMS an einen Schulkollegen und guten Freund der mich vor 3 Wochen gefragt hat, ob er auf den „Burschenschafterball“, von dem ständig berichtet wird, mitgehen könnte., „Kein Problem“ lautete meine Antwort. „Kein Problem, jeder, der eine Ballkarte, einen Smoking und gute Laune hat ist gern gesehen“. „Wo bleibst du, wir müssen vor der Demo wegfahren sonst stehen wir jetzt schon im Stau“ – gleich darauf die Antwort. „Ich steh schon im Stau, bin aber in 5 Minuten da“. Ich bin beruhigt, zünde mir eine Zigarette an und höre den ersten Hubschrauber.

18:09, wir sitzen im Auto: „Willst du dein Kappl gar nicht aufsetzten?“ fragt er mich. Wir stehen im Stau: genau zwischen Europaplatz und Westbahnhof, vorne Demonstranten, hinten Demonstranten, laute Musik, die ersten „Nazis raus“ Rufe. „Nein“, sag ich drauf, „wenn ich es jetzt aufsetze und wir haben Pech, ist die Ballnacht gelaufen. Die setzten sich vors Taxi und das war es dann erst mal für eine Viertelstunde“. „Geh bitte“, sagt er drauf „wer ist denn so blöd und setzt sich vor ein Taxi, sowas macht doch keiner.“ Er sollte sich noch wundern.

18:22, Stau! Ganz Wien steht! Mariahilferstraße: gesperrt, Gürtel: verstopft, Kaiserstraße: verstopft, ab dem Urban-Loritz-Platz geht’s ein bisschen besser, jetzt noch über die Josefstädter Straße und rein in die Strozzigasse. Erstes Staunen meines Schulkollegen auf Höhe der Burschenschaft Silesia. „Herst, da steht ja wirklich ein Mannschaftswagen und Tretgitter“, staunt er, „ist das wirklich nötig?“ Ich sage ihm, er soll erst einmal die Fahrt zur Hofburg abwarten und bin froh fürs Erste angekommen zu sein. Vor dem Haus der Burschenschaft Bruna Sudetia treffe ich einen Bundesbruder mit seiner Freundin, und die Tür wird uns von einem der 6 Polizisten, die vor der Türe postiert sind, aufgehalten. 17 Euro fürs Taxi bislang, nicht gerade wenig für drei Kilometer Luftlinie.

19:48, der Sektempfang nähert sich dem Ende, ein Alter Herr zählt die Anwesenden, um genug Taxis zu bestellen. Die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen, alle freuen sich auf eine schöne Ballnacht, da nimmt man schon mal die befürchtete Stunde Fahrzeit in Kauf. „20 Uhr Abfahrt“ heißt es. Es wird ausgetrunken und man freut sich einfach auf einen schönen Ball. Manschetten werden gerichtet die letzten Fliegen gebunden und alle ziehen ihre Mäntel an.

20:04, alles sitzen im Auto. Ein Verbandsbruder mit Gattin, mein Schulkollege und ich, eng ist es. Aber dagegen kann man nichts tun, aber es sind ja nur 800 Meter Luftlinie. Halb so schlimm, möchte man denken. Strozzigasse runter und links auf die Lerchenfelder Straße. Zwischen Justizpalast und Parlament kommen wir das erste Mal zum Stehen weil wir von der Polizei dirigiert werden. „Hams a Kappl? Sehr gut, fahrns einfach hinterm Palament entlang, der Kollege da hinten weiß dann scho wie’s weitergeht“, sagt er sehr freundlich.

Nach 50 Metern stehen wir erneut. Alles zurück! 20 Taxis, die bis jetzt im Konvoi gefahren sind, drehen in der Reichsratstraße um und fahren wieder Richtung Justizpalast während der erste Polizist noch immer neue Taxis in die falsche Richtung schickt.

20:16, Durchsage der Taxiinnung: „ACHTUNG! Zufahrt Hofburg nur über Hohenstauffengasse möglich. Lassen sie Ballbesucher innerhalb des Rings aussteigen, müssen zu Fuß zur Hofburg, weiterkommen mit dem Auto fast unmöglich.“

20:21, wir biegen von der Landesgerichtsstraße auf die Universitätsstraße. Bis ins Taxi hören wir die skandierten Parolen, etwa 40 Vermummte stehen - teilweise bewaffnet - vor der Votivkirche und sehen sich das Spektakel an. Ecke Universitätsstraße und Rooseveltplatz ist für uns wieder Halt. Der Verbandsbruder lehnt sich aus dem Fenster und spricht höflich mit dem Polizisten. „Entschuldigen Sie, wir werden von Ecke zu Ecke geleitet und müssen permanent umdrehen, abbiegen, wo anders hin fahren. Warum schaffen sie es nicht einen Korridor freizuräumen und die Ballgäste durchzulotsen? “ Die Antwort ist recht kurz: „Wir machen was wir können. Maria-Theresien-Straße könnens nicht runter, 300 Demonstranten und a paar Fahrzeuge werden demoliert“.

Jetzt war Kreativität gefragt. Meine Idee, es über den Schwedenplatz zu versuchen findet Zustimmung aber wir einigen uns darauf es zuerst über die Lichtensteinstraße und Hohenstauffengasse zu versuchen. Kurz vor der Lichtensteinstraße ist für uns mal wieder Halt, aber diesmal keine Polizei sondern drei feministisch angehauchte Fräulein am Fahrrad die uns den Weg versperren. „Einfach weiter fahren!!“ sage ich dem Fahrer von der Rückbank aus, der reagiert zu langsam, kennt die Blockadetaktik noch nicht, und wir stehen.

20:43, wir haben es tatsächlich bis zum Schwedenplatz geschafft, unser Plan ist es, wie letztes Jahr, über den Hohen Markt/Tuchlauben zum Kohlmarkt zu fahren und zu hoffen, dass dort wieder 200 Polizisten Spalier stehen um die Taxis durchzubringen. Fehlanzeige!

20:58, Durchsage der Taxiinnung: „ACHTUNG! Ersten Bezirk nicht mehr anfahren. Aggressive Demonstranten beschädigen Taxis.“

21:01 unser nächstes Ziel, der Schwarzenbergplatz: eventuell ist dort ein durchkommen.

21:05, vor der Oper scheint die Luft rein, ein einzelner Polizist: Der Verbandsbruder lässt durchblicken, dass er Journalist ist und möchte einen Verantwortlichen sprechen. Der Polizist gibt uns eine Nummer und das „Codewort: Einsatzstab Delta“, um weitere Informationen zu erhalten. Viel ist nicht rauszubekommen aus dem „Einsatzstab Delta“, wieder und wieder, wie ein Mantra wird uns die Hohenstauffengasse genannt – zu der wir vorhin schon nicht zufahren konnten.

21:12, Durchsage der Taxiinnung: „ACHTUNG! ACHTUNG! Hofburg nicht mehr von außerhalb dem Ring anfahren. Ballbesucher nicht mehr innerhalb des Rings aussteigen lassen, Demonstranten zu aggressiv. Beschädigen Taxis.“

21:13, das ganze Spiel von vorne, über den Ring an Heldentor und Volksgarten vorbei zur Wipplingerstraße, dort steht ein süffisant grinsender Polizist und sagt: „Bitte, versuchen Sie’s, ich kann nichts versprechen, aber ich lass sie durch“. Wir fahren zum wiederholten Male die Wipplingerstraße entlang und biegen rechts ab, um zur Hohenstauffengasse zu gelangen. Kein Durchkommen, dafür ein neuer Spruch: „Wiener Polizisten, schützen die Faschisten“ schreien zwei junge Fräulein.

Nachdem wir zwei Runden gefahren sind ohne weiterzukommen und langsam aber sicher von Demonstranten, die auf das Taxi schlagen und spucken, eingekreist werden beschließen wir, umzukehren und einen erneuten Anlauf zu versuchen. Wir fahren zurück in die Strozzigasse, der Rückweg verläuft recht ruhig bis auf eine kleine Passage direkt vor der Votivkirche. Da haben Demonstranten einige Mistkübel auf die Straße geworfen, um eine Barrikade zu errichten. Taxirechnung: 55 Euro für 1,5 Stunden Taxifahrt mit Erlebniswert.

21:28, das Wiedereintreffen am Haus wird uns durch einen Alten Herren ermöglicht der dort wohnt und uns leicht verwundert die Tür öffnet. Auf den Schock und den Ärger gibt’s erst mal Bier und Sekt, einige Minuten später, gesellen sich auch 4 Polizisten zu uns welche seit 29 Stunden auf das Haus aufpassen und wärmen sich kurz. Mein Schulkollege ist vollkommen ruhig geworden, er ist, wie wir alle, recht sprachlos.

22:05, wir beschließen es nochmal zu versuchen: ich bestelle ein Taxi, in 4 Minuten soll es da sein. Wir ziehen uns an, stellen den Polizisten noch Gläser, Orangensaft und Mineralwasser hin und verabschieden uns. Sie wünschen uns Glück.

Der Taxifahrer ist da, er hält nicht einmal an, er lässt das Fenster der Beifahrerseite herunter, sieht unsere Smokings, Bänder und Deckel und schreit aus dem rollenden Auto: „Na Burschn, tut mir leid, ich hab nix gegen Euch, aber des tu ich mir nimmer an “. Uns ist klar dass er den Weg zur Hofburg meint. Wir sind ein wenig grantig, können es aber auch irgendwo verstehen. In derselben Minute fährt zufällig ein freies Taxi durch die Strozzigasse, Daumen nach oben – es hält. „Na da weiß wohl einer noch nicht was ihn erwartet“, bemerkt mein Freund trocken, also rein in das Taxi und ab geht die Post.

22:11, wir haben wieder den „Einsatzstab Delta“ am Apparat, und wieder wird uns – wer hätte das gedacht – die Hohenstauffengasse als geräumt und frei passierbar präsentiert. Wir beschließen, nichts zu riskieren und uns jegliche Möglichkeit am Weg zur Hohenstauffengasse anzusehen. Das Heldentor ist geschlossen, also hier kein Durchkommen, Josef-Meinrad-Platz wird auch von vermummten, besonders friedfertig aussehenden Gestalten mit Holzlatten und Eisenstangen bewacht. Vor der Freyung stehen auch Leute, aber Polizisten. Diese Straße scheint frei. Vor uns sind noch zwei Autos in der Schlange, das erste ein Taxi, mit Ballgästen besetzt, das zweite ein Privatauto, offenbar ganz ohne Ballgäste. Die Polizei öffnet ein Gitter und lässt das erste Taxi passieren. Wir wedeln hektisch mit unserem Couleur um zu zeigen dass wir auch zum Ball wollen! Leider sehen die Polizisten das aber nicht und hängen die Gitter wieder zu. In diesem Moment kommt eine Gruppe von etwa 50 Demonstranten – mit Wurfgeschoßen bewaffnet – die Teinfaltstraße herunter.

Eine Polizistin ruft uns unter dem Helm hervor ein „Zu Fuß, zu Fuß“ zu. Nun gibt es aber schlechte Erfahrungen von Ballgästen, die zu Fuß weiter geschickt wurden. Unser einziges Glück aber ist, dass von hier an das Platzverbot griff. Endlich können wir – quasi völlig frei und unbeschadet zur Hofburg laufen.

Als die Tretgitter hinter uns geschlossen werden, lassen 10 Polizisten die zuvor in Schach gehaltene Horde bis an die Gitter. Wir fühlen uns ein wenig wie im Löwenkäfig von Schönbrunn. Zwischen uns und den Demonstranten liegen maximal 20 Meter, unser Eintreffen reicht offenbar schon als Provokation. Gegenstände werden in unsere Richtung geschossen, ich sehe Feuerzeuge und Dosen fliegen, ein paar Meter vor mir zerschellt eine Glasflasche. Glück gehabt! Mein Freund wird von einem Apfelpatzen oder etwas ähnlichem getroffen. Wir bilden ein Grüppchen und marschieren über den Minoritenplatz zum Hintereingang der Hofburg, entscheiden uns dann aber doch für den Vordereingang, wenn wir schon mal da sind, wollen wir auch vorne rein!

22: 40, Eintreffen in der Hofburg. Vorhin waren es nochmal 23 Euro Taxigebühr, aber das war es wert. Es braucht schon mehr, um überzeugte Waffenstudenten vom Ereignis des Jahres fernzuhalten. Ich möchte hier eine Lanze für die Polizisten auf der Straße brechen. Die können nichts dafür, denn dieser Wahnsinn hatte System, System von ganz oben, wenn man mich fragt, reine Schikane. Besonders möchte ich mich bei den netten Damen und Herren von der Exekutive bedanken die auf die Häuser aufgepasst haben, Sie haben wie immer eine sehr gute Arbeit gemacht!

 

Gefunden auf: http://www.dieburschenschaften.de

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Dacia Freeburg (Freitag, 03 Februar 2017 11:52)


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