Dossiers

Wir leben einerseits in einer Informationsgesellschaft, andererseits wird der Datenschutz hoch gehalten - zumindest wird das behauptet. Es wirkt auf jeden Fall, wenn man aus Besorgnis sich über Verwandte erkundigen will (z.B. ob ein bestimmter Flug benützt wurde). Die veröffentlichte Meinung überschwemmt uns aber in Mengen mit vertraulichen Daten von Prominenten und sogar Vorgängen die eigentlich dem Amtsgeheimnis unterliegen. Ganz aktuell können wir auf ein Beispiel aus der französischen Innenpolitk zurückgreigen. Domenique Strauss-Kahn (DSK), IWF-Chef, saß vor einem Jahr wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs in NY im Gefängnis. Das Opfer (die einzige Zeugin) schien dem Staatsanwalt nicht glaubwürdig genug um Anklage zu erheben und DSK kam frei. Damit aber sicher auch etwas an DSK kleben bliebe, wurden immer wieder "schlüpfrige" Berichte (über lange zurück liegende Vorfälle) nachgereicht. DSK hat sofort vermutet, daß hinter dieser Bloßstellung seine politischer Konkurrent Sarkozy steht, wurde er doch als aussichtsreicher Herausforderer bei der französischen Präsidentenwahl gehandelt. Sarkozy liegt zwar auch gegen seinem jetzigen Herausforderer Hollande zurück, aber sicher ist wohl sicher und so erscheint in den Medien das Gerücht, daß Gaddafi den Wahlkampf Sarkozy's von 2007 mit 50 Mio. € finanziert haben soll. Ein altes Gerücht, aber es ist jetzt nützlich und vielleicht die Revanche der Sozialisten für das Abschießen ihres DSK. Auch die Affären des deutschen Präsidenten Wulff lagen schon einige Zeit zurück - jetzt hat es aber offensichtlich gepaßt. Auch die Handygespräche des Herrn Grasser mit Herrn Schüssel sind schon etwas bejahrt, aber jetzt offensichtlich öffentlichkeitswürdig....Als EU-Kommissar Verheugen vor Jahren sich über die EU-Beamten sehr kritisch aussprach, waren ein paar Tage danach Händchen-halten-Fotos mit ihm und einer Frau, die nicht seine Ehefrau war, in der Presse. Die Fotos waren auch schon etwas alt....Und solche Fälle gibt es sonder Zahl, man muß nur aufmerksam sein. Ich gehöre übrigens nicht zu den Sympathisanten der genannten Herren. Wir müssen uns damit abfinden, daß es über alles und jeden Dossiers gibt - die gezogen werden oder nicht. Wir wissen nicht wer den Befehl dazu gibt und das beunruhigt mich mehr als die grundsätzliche Tatsache, daß über uns alle Datenvorräte bestehen. W. 

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